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Nordic Research on Accent, Acceptability and Acquisition (NordAc³)

Der Abschlussworkshop des Projekts Dänisch als Nachbarsprache (dans): Aussprachekompetenz im schulischen Dänischunterricht (2015–2018) wird am 21. und 22. März 2019 unter dem Titel Nordic Research on Accent, Acceptability and Acquisition (NordAc³) stattfinden. Dabei geht es besonders um

  1. current empirical findings:
    • Which perspectives on L2 pronunciation, including the use of listener ratings, are being discussed in current studies?
    • Which fundamental implications for teaching purposes can be drawn from recent L2 pronunciation studies?
  2. methodological aspects:
    • How can different dimensions of pronunciation (especially acceptability) be defined and measured?
    • How can the mutual influence of different dimensions be measured, e.g. the influence of accent on acceptability?
  3. the relevance of research on L2 pronunciation for teaching:
    • What do teachers need to know? What should we teach teachers?
    • Which aspects of L2 pronunciation in general and which language-specific phenomena in particular should be part of teacher education?
Eine ausführliche Beschreibung findet sich im Call for papers.

Abschlussarbeiten 2017/18

Im vergangenen Jahr und im Januar 2018 sind noch weitere Abschlussarbeiten mit meiner Betreuung entstanden:

  • Skam tittel.pngCharlotte Luchner hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit norwegischer Jugendsprache in der in ganz Skandinavien überaus populären und von vielen, auch von jugendlichen Zuschauern als authentisch bewerteten NRK-Fernsehserie Skam auseinandergesetzt: Entspricht die Sprache der Protagonisten dem, was aus der norwegischen und internationalen Forschung über Jugendsprache und jugendsprachliche Kommunikation allgemein bekannt ist? Und wie unterscheiden sich verschiedene Figuren in ihrem Gebrauch von Jugendsprache? Solchen Fragen geht die Arbeit auf der Basis einer detaillierten Auswertung von Filmsequenzen nach.
  • Anna Lappnaus Bachelorarbeit vergleicht strukturelle Merkmale zweier deutsch-dänischer Kontaktvarietäten miteinander, nämlich einerseits des sogenannten Petuh und des Angeliter Niederdeutschen. Die Analyse macht deutlich, wie die beiden Varietäten strukturell voneinander divergieren, obwohl in beiden Fällen eigentlich ganz ähnliche Ausgangsbedingungen vorliegen.
  • Sandra Neufeldt beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit mit Registervariation im Schwedischen. Dabei überträgt sie Bibers Ansatz, der auf der Identifizierung verschiedener Dimensionen in der Registervariation zunächst einmal im Englischen basiert, auf das Schwedische und überprüft die daraus abgeleiteten Hypothesen mithilfe der Korpuswerkzeugs  Korp an schwedischen Daten, die ein Spektrum an Texttypen und Registern abdecken. Dabei zeigt sie, dass Bibers Modell im Großen und Ganzen anwendbar ist, dass aber zugleich auch Unterschiede im Gesamtbild der Registervariation zwischen Englisch und Schwedisch bestehen.
  • Anna Hagel untersucht in ihrer Bachelorarbeit mithilfe einer korpuslinguistischen Untersuchung ein klassisches Problem der isländischen Syntax, nämlich die Frage, unter welchen Bedingungen ein expletives Subjekt (það) verwendet wird und wann es auch fehlen kann. Dabei liefert ihre konstruktionsgrammatisch fundierte Analyse Hinweise darauf, dass sowohl grammatische als auch kontextuelle Faktoren eine Rolle spielen, sodass Strukturen mit und ohne Expletivum als verschiedene Konstruktionen beschrieben werden müssen.
  • Andrea Winterberg untersucht in ihrer Masterarbeit, wie L2-Lerner in einem frühen Erwerbsstadium im Schwedischen Modalität ausdrücken. Zugrunde liegt eine empirische Studie, in der entsprechende Ausdrücke in strukturierten Interviews in Sprachkursen für Schwedisch als Zweitsprache an der Universität Göteborg elizitiert wurden. Dabei wird deutlich, dass eine Reihe von Faktoren für den Erwerb und die Wahl von Modalitätsmarkern eine Rolle spielt, darunter die Ähnlichkeit zu Strukturen im Englischen als bereits zuvor erworbener L2. Individuelle Unterschiede lassen sich am ehesten dadurch erklären, wie lange die Lerner bereits schwedischsprachigem Input ausgesetzt sind.
  • Bildergebnis für bokmål nynorskMaike Lemke analysiert in ihrer Masterarbeit verschiedene sprachpolitische Aspekte des Verhältnisses zwischen den beiden norwegischen Standardvarietäten Bokmål (einschließlich seiner konservativen Variante Riksmål) und Nynorsk. Dabei betrachtet sie nicht so sehr den (hinlänglich bekannten) sprachgeschichtlichen und ideologischen Hintergrund, sondern vielmehr ganz konkrete rechtliche Rahmenbedingungen, politische Positionierungen und faktisches Regierungshandeln: Wie stellen sich staatliche, parteipolitische und zivilgesellschaftliche Instanzen zu den norwegischen Standardvarietäten? Und wie reagiert die sprachpolitische Konzeption auf aktuelle Probleme wie etwa die Integration von Migranten?

ATdS 2017

Vom 27. bis zum 29. September 2017 findet in Kiel die 23. Arbeitstagung der Skandinavistik statt, bei der ein recht umfangreiches Programm aus allen Fachteilen geboten wird.

Aus linguistischer Sicht steht Julia Prentice’ Plenarvortrag Infrastruktur för svensk andraspråksforskning (och annan svensk språkforskning). Möten mellan andraspråksforskning och datalingvistik im Vordergrund, der inhaltlich auch Anknüpfungspunkte für die drei Arbeitskreise mit linguistischer Beteiligung bietet.

Der Arbeitskreis Digital Humanities in der Skandinavistik (Leitung: Ruth Sindt und ich) thematisiert neue Chancen, die sich für alle Bereiche der Skandinavistik und der Nordeuropaforschung insgesamt aus der Digitalisierung ergeben. Dazu gehören unter anderem auch Beiträge zu Sprachkorpora, digitaler Editionsphilologie, Metadatenmanagement. Ruth Sindt und ich führen mit einem Beitrag Digital Humanities: Modeerscheinung oder echte Chance? ein.

Aus dem Kieler dans-Projekt hat sich ein Arbeitskreis zu Sprachdidaktik und Zweitspracherwerb ergeben (Leitung: Lisa Tulaja und ich). Hier geht es um unterschiedliche Facetten von (zumeist gesteuertem) Zweitspracherwerb in unterschiedlichen Kontexten. Die Beiträge beschäftigen sich entsprechend mit Spracherwerb in Norwegen, Schweden und Deutschland, mit einem Block von Beiträgen zum schulischen Dänischerwerb in Schleswig-Holstein. Hierzu gehören auch (aus dem dans-Projekt) mein Vortrag mit dem Titel Schulfach Dänisch: Linguistische Anmerkungen zu einem doppelten Kuriosum und Lisa Tulajas Vortrag zu Aussprache im schulischen Dänischunterricht. Fehlerklassifikation und -analyse.

Zusätzlich gibt es einen thematisch offenen Arbeitskreis Sprachwissenschaft (Leitung: Christer Lindqvist und ich) mit ganz unterschiedlichen Beiträgen, unter anderem mein Vortrag Das Südschleswiger Südjütisch im Spiegel der Wenker-Daten. Aus Kiel werden außerdem Sabrina Schütz (Bestandsaufnahme des Südschleswigdänischen aus dialektologischer Perspektive. Forschungsdesign und erste Ergebnisse) und Aileen Urban (Konstruktionsgrammatik und Codeswitching) aus ihrer Arbeit berichten.

 

Vorträge Januar bis Mai 2017

Rückblick auf die ersten Monate des Jahres: Von Januar bis Mai sind verschiedene Vorträge entstanden.

In Vorträgen in Stockholm und Berlin habe ich aus der Perspektive des Projekts GrammArNord über areale Zusammenhänge zwischen deutschen und skandinavischen Varietäten berichtet. Dabei ging es in dem Stockholmer Vortrag Wie deutsch ist Skandinavisch? Und wie skandinavisch ist (manches) Deutsch? vor allem um die Auswirkungen des jahrhundertealten deutsch-skandinavischen Sprachkontakts auf unterschiedliche Varietäten des Nonstandardbereichs, die sich in einem sprachenübergreifenden kommunikativen Raum darstellen lassen, der durch geographische und nicht-geographische Dimensionen strukturiert ist. Ein Beispiel ist einerseits die in Norwegen als ‚garpe-Genitiv‘ bezeichnete Possessivkonstruktion wie in dama si bok ‚das Buch der Frau‘, die ursprünglich aus kontinentalwestgermanischen Varietäten über das Niederdeutsche in westnorwegische Dialekte übernommen worden ist (vgl. hd. der Frau ihr Buch, nd. de Fru ehr Book). Heute findet sich diese Konstruktion auch in anderen Dialektregionen, im Nynorsk sowie zunehmend auch in bokmålnaher Umgangssprache; sie breitet sich also im norwegischen Varietätenspektrum sowohl horizontal als auch vertikal aus. Ein Beispiel für die umgekehrte Wirkrichtung ist die als typisch dänisch bekannte Sonorisierung intervokalischer Plosive (dän. klusilsvækkelse), die sich auch in den nördlichsten hoch- und niederdeutschen Varietäten findet (vgl. norddeutsch Jacke [ˈjaɡə]). Nach Süden hin ist sie aber weniger stark obligatorisch und dann zum Teil stärker sozial und situativ differenziert; ein Extremfall ist die Refunktionalisierung als Genremarker im deutschen Hiphop, die wohl über die Rolle Hamburgs als frühes Hiphophochburg zu erklären ist.

Höder, Steffen. 2017. „Wie deutsch ist Skandinavisch? Und wie skandinavisch ist (manches) Deutsch?“. Gastvortrag, Stockholms universitet, 21. 2. 2017.

Der Vortrag Skandinavisches im Deutschen und umgekehrt: kontaktbedingter Grammatikwandel aus arealer Perspektive an der Berliner Humboldt-Universität konzentrierte sich auf die Frage, wie die Entstehung grammatischer Arealismen in verschiedenen deutsch-skandinavischen Kontaktkonstellationen aus dem Blickwinkel einschlägiger Modelle zum Grammatikkontakt zu interpretieren ist, darunter Heines & Kutevas Modell der kontaktbedingten Grammatikalisierung, Johansons Ansatz zum Kodekopieren und mein eigenes Modell der Diasystematischen Konstruktionsgrammatik.

Höder, Steffen. 2017. „Skandinavisches im Deutschen und umgekehrt: kontaktbedingter Grammatikwandel aus arealer Perspektive“. Gastvortrag, Humboldt-Universität zu Berlin, 24. 1. 2017.

Stärker ins Detail ging der Vortrag Variationssensitive Arealtypologie zwischen Elbe und Nordkap – Werkstatt­bericht zum Kieler Projekt GrammArNord, der den aktuellen Arbeitsstand im Projekt einschließlich der theoretischen und methodischen Grundlagen darstellte und anhand von Pilotstudien illustrierte. Das ausführliche Handout dazu findet sich bei [Academia.edu].

Höder, Steffen. 2017. „Variationssensitive Arealtypologie zwischen Elbe und Nordkap – Werkstatt­bericht zum Kieler Projekt GrammArNord“. Gastvortrag, Humboldt-Universität zu Berlin, 24. 1. 2017.

In einem Vortrag in Göteborg habe ich unter dem Titel Sådan skal det lyde! Fonetikens betydelse för danskundervisningen i tyska skolor über Grundfragen des dans-Projekts berichtet. Der Fokus lag dabei auf der Bedeutung des Ausspracheunterrichts für den Erwerb einer funktionalen Dänischkompetenz in der Schule: Eine für dänische L1-Sprecher akzeptable dänische Aussprache ist ausschlaggebend dafür, dass L2-Sprecher überhaupt die Chance bekommen, in authentischen Kommunikationssituationen Dänisch zu sprechen und ihre sprachliche Kompetenz weiter auszubauen. Zugleich ist Dänisch in phonetisch-phonologischer Hinsicht aber äußert komplex und der Erwerb lautlicher Strukturen eine erhebliche Hürde.

Höder, Steffen. 2017. „Sådan skal det lyde! Fonetikens betydelse för danskundervisningen i tyska skolor“. Gastvortrag, Institutionen för svenska språket, Göteborgs universitet, 27. 2. 2017.

Diasystematische Konstruktionsgrammatik war das Thema des Plenarvortrags A constructional approach to language in contact: Background and basic concepts of Diasystematic Construction Grammar bei der Konferenz Construction Grammar: new advances in theor­etical and applied linguistics an der belgischen Université catholique de Louvain. Hier ging es um eine Einführung in die DCxG für Konstruktionsgrammatiker. Die dazugehörige Präsentation dazu findet sich bei [Academia.edu].

Höder, Steffen. 2017. „A constructional approach to language in contact: Background and basic concepts of Diasystematic Construction Grammar“. Plenarvortrag, Construction Grammar: new advances in theor­etical and applied linguistics, Université catholique de Louvain, Louvain-la-Neuve, 12. 5. 2017.

Masterarbeit: Digitale Übersetzungsdatenbank Dänisch-Deutsch

Bildergebnis für tysk dansk oversættelseWie übersetzt man richtig aus einer Sprache in eine andere? Was ist die genaue Entsprechung eines Wortes, eines idiomatischen Ausdrucks, einer bestimmten Konstruktion? Welche Kontextfaktoren muss man bei der Suche nach der richtigen Übersetzung berücksichtigen? Das sind Fragen, mit denen sich Übersetzer laufend beschäftigen. Die traditionelle Arbeit mit ein- und zweisprachigen Wörterbüchern ist dabei mühsam und führt auch häufig nur über Umwege zum Ziel.

Abhilfe können digitale Übersetzungsdatenbanken schaffen, die formale und funktionale bzw. semantische Merkmale von Elementen in mehreren Sprachen sammeln, strukturieren und zueinander in Beziehung setzen. Bislang gibt es solche Ressourcen vor allem in der Theorie oder als proof-of-concept-Umsetzung, etwa mit den framesemantisch konzipierten Fußballdatenbanken Kicktionary und Copa 2014 FrameNet Brasil. Inga Esseling hat in ihrer Masterarbeit jetzt eine deutsch-dänische Übersetzungsdatenbank konzipiert, die ebenfalls auf der Framesemantik sowie zusätzlich auf konstruktionsgrammatischen Überlegungen aufbaut. Darin sind viele verschiedene Informationen zu Form und Bedeutung von Wörtern, aber auch lexikalisch nicht oder nur teilweise gefüllten Konstruktionen systematisch miteinander vernetzt und entsprechend auf vielen Wegen auffindbar. Noch Zukunftsmusik, aber wer weiß!