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Masterarbeit: Digitale Übersetzungsdatenbank Dänisch-Deutsch

Bildergebnis für tysk dansk oversættelseWie übersetzt man richtig aus einer Sprache in eine andere? Was ist die genaue Entsprechung eines Wortes, eines idiomatischen Ausdrucks, einer bestimmten Konstruktion? Welche Kontextfaktoren muss man bei der Suche nach der richtigen Übersetzung berücksichtigen? Das sind Fragen, mit denen sich Übersetzer laufend beschäftigen. Die traditionelle Arbeit mit ein- und zweisprachigen Wörterbüchern ist dabei mühsam und führt auch häufig nur über Umwege zum Ziel.

Abhilfe können digitale Übersetzungsdatenbanken schaffen, die formale und funktionale bzw. semantische Merkmale von Elementen in mehreren Sprachen sammeln, strukturieren und zueinander in Beziehung setzen. Bislang gibt es solche Ressourcen vor allem in der Theorie oder als proof-of-concept-Umsetzung, etwa mit den framesemantisch konzipierten Fußballdatenbanken Kicktionary und Copa 2014 FrameNet Brasil. Inga Esseling hat in ihrer Masterarbeit jetzt eine deutsch-dänische Übersetzungsdatenbank konzipiert, die ebenfalls auf der Framesemantik sowie zusätzlich auf konstruktionsgrammatischen Überlegungen aufbaut. Darin sind viele verschiedene Informationen zu Form und Bedeutung von Wörtern, aber auch lexikalisch nicht oder nur teilweise gefüllten Konstruktionen systematisch miteinander vernetzt und entsprechend auf vielen Wegen auffindbar. Noch Zukunftsmusik, aber wer weiß!

Neuerscheinungen 2016

Jahresrückblick auf 2016: Vergangenes Jahr sind sieben Arbeiten zu verschiedenen Themen erschienen.

daenische-phonetikDer Artikel Dänische Phonetik im Kontrast zu norddeutschen Ausgangsvarietäten beim schulischen Zweitspracherwerb, entstanden im dans-Projekt, vergleicht phonetische Eigenschaften des Dänischen und des Deutschen. Die Analyse bleibt dabei bewusst nah an der ‚Oberfläche‘ der artikulatorischen Phonetik und begibt sich nicht auf das höhere Abstraktionsniveau der Phonologie, das gerade für das Dänische nicht immer einfach nachzuvollziehen ist. Der Fokus liegt auf Gemeinsamkeiten und Unterschieden im Bereich der segmentalen Phonetik, wesentlicher Suprasegmentalia auf Wortebene sowie wichtiger phonologischer Prozesse. Innovativ ist vor allem die systematische Einbeziehung norddeutscher Spezifika, die aus zwei Gründen wichtig sind: Erstens ist beim schulischen Dänischerwerb in aller Regel der norddeutsche Regiolekt die Ausgangssprache der Lerner, und zweitens weist das Dänische in der Phonetik deutlich stärkere Übereinstimmungen zum Norddeutschen auf als zum Standarddeutschen.Der Artikel ist als Band 1 einer neuen Online-Arbeitspapierreihe erschienen, die kleinere Arbeiten und Forschungsberichte aus der skandinavistischen Linguistik in Kiel sammeln soll (Kieler Arbeiten zur skandinavistischen Linguistik [KASL]).

Höder, Steffen. 2016. „Dänische Phonetik im Kontrast zu norddeutschen Ausgangsvarietäten beim schulischen Zweitspracherwerb“. Kieler Arbeiten zur skandinavistischen Lin­guistik 1.

Niederdeutsche Form, unspezifische Struktur. Diasystematische Konstruk­tio­nen in der deutsch-dänischen Kontaktzone wendet den Ansatz der Diasystematischen Konstruktionsgrammatik (DCxG) auf regionaltypische Konstruktionen der deutsch-dänischen Kontaktzone an und demonstriert so die Eignung dieses Modells für sprachübergreifende Arealismen. Die diskutierten Beispiele sind der und-Infinitiv (ich hab keine Lust und machen das) und das sollen-Futur (ich soll heute noch nach Kiel fahren); beides kommt in deutschen und dänischen Varietäten vor.

Höder, Steffen. 2016. „Niederdeutsche Form, unspezifische Struktur. Diasystematische Konstruk­tio­nen in der deutsch-dänischen Kontaktzone“. In: Helmut Spiekermann, Line-Marie Hohenstein, Stephanie Sauermilch & Kathrin Weber (Hgg.), Niederdeutsch: Grenzen, Strukturen, Variation (Niederdeutsche Studien 58), Wien/Köln/Weimar: Böhlau, 293–309.

Unmittelbar vor Jahresende ist der Beitrag Niederdeutsch und Nordeuropa: Eine Annäherung an grammatische Arealität im Norden Europas erschienen. Hier geht es um eine Skizze des Projekts GrammArNord mit dem derzeitigen Arbeitsstand. Dabei liegt der Fokus auf theoretischen Aspekten, nämlich vor allem dem Konzept einer variationssensitiven Arealtypologie (die in einem festgelegten geographischen Gebiet Standard- und Nonstandardvarietäten dort verwendeter Sprachen betrachtet) und dem kommunikativen Raum, d. h. einen mehrsprachigen Raums mit mehreren Variationsdimensionen, der eine soziolinguistisch realistische Lokalisierung einzelner Varietäten erlaubt. Vor diesem Hintergrund werden einzelne Fälle grammatischer Arealbildung diskutiert, die verschiedene räumliche Reichweiten und zeitliche Tiefen aufweisen.

Höder, Steffen. 2016 „Niederdeutsch und Nordeuropa: Eine Annäherung an grammatische Arealität im Norden Europas“. Niederdeutsches Jahrbuch 139, 103–129.

Der bereits 2014 publizierte Artikel Phonological elements in Diasystematic Construction Grammar ist als Teil des Sonderhefts Constructions across grammars in der Reihe Benjamins current topics erneut gedruckt worden.

Höder, Steffen. 2016. „Phonological elements in Diasystematic Construction Grammar“. In: Martin Hilpert & Jan-Ola Östman (Hgg.), Constructions across grammars (Benjamins current topics 82), Amsterdam/Philadelphia: Benjamins, 67–96 [zuerst 2014 in Constructions and frames 6, 202–231].

bild4Auf einen Vortrag in einer Kieler Ringvorlesung geht der Beitrag Stumme Ohrenzeugen. Methodologische Überlegungen zur Rekonstruktion altschwedischer Mündlichkeit zurück, der an das abgeschlossene Projekt Altschwedischer Sprachausbau im Sprachkontakt anknüpft. Hier geht es um das typische Bad-data-Problem der historischen Sprachwissenschaft, nämlich die Einseitigkeit der überlieferten Quellen, die gesprochene Sprache wenn überhaupt, dann nur fragmentarisch reflektieren. Der Artikel diskutiert Möglichkeiten, sinnvoll mit diesem Problem umzugehen.

Höder, Steffen. 2016. „Stumme Ohrenzeugen. Methodologische Überlegungen zur Rekonstruktion altschwedischer Mündlichkeit“. In: Elmar Eggert & Jörg Kilian (Hgg.), Historische Mündlichkeit. Beiträge zur Geschichte der gesprochenen Sprache (Kieler Forschungen zur Sprachwissenschaft 7), Frankfurt am Main u. a.: Lang, 121–138.

Die Diasystematische Konstruktionsgrammatik verdankt dem Pionier der Kontaktlinguistik Uriel Weinreich den Gedanken, dass Sprachen und Varietäten im Kontakt gemeinsame Strukturen aufweisen können; der Terminus diasystematisch verweist auf einen zentralen Begriff in Weinreichs Arbeiten. Weinreichs Bedeutung für die Geschichte der Kontaktlinguistik und insbesondere für einige Grundgedanken der Diasystematischen Konstruktionsgrammatik arbeitet der Beitrag Though this be contact, yet there is system in’t: Was man noch heute von Uriel Weinreich über Sprachkontakt lernen kann heraus.

Höder, Steffen. 2016. „Though this be contact, yet there is system in’t: Was man noch heute von Uriel Weinreich über Sprachkontakt lernen kann“. In: Alastair Walker (Hg.), Classics revisited. Wegbereiter der Linguistik neu gelesen (Kieler Forschungen zur Sprachwissenschaft 6), Frankfurt am Main u. a.: Lang, 157–178.

afsenderkodeSemikommunikation und rezeptive Mehrsprachigkeit sind Schlüsselbegriffe bei der Untersuchung der interskandinavischen Kommunikation, bei der sich Dänisch-, Norwegisch- und Schwedischsprachige in ihren jeweiligen Erstsprachen miteinander verständigen. In jüngerer Zeit nimmt die Fähigkeit und (oder?) die Bereitschaft zur Nutzung dieser Kommunikationsform jedoch ab, was einmal mehr die Frage aktualisiert, ob semikommunikative Strategien auch in eingeschränkter oder abgewandelter Form funktionieren können. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich der Beitrag Tyskere kan ikke forstå dansk. Eller kan de? mit den Möglichkeiten Deutschsprachiger, auch ohne explizites dänisches Sprachwissen Dänisch zu verstehen.

Höder, Steffen. 2016. „Tyskere kan ikke forstå dansk. Eller kan de?“. In: Sprog i Norden 2016, 49–60.

Vortrag: südjütische Wenkerbögen

Hoxtrup 1In der Kolloquiumsreihe des Zentrums für kleine und regionale Sprachen (KURS) an der Europa-Universität Flensburg halte ich am 13. 12. 2017 einen Gastvortrag mit dem Titel Schlechte Sprache, schlechte Daten – oder was? Südschleswiger Jütisch in deutschen Dialekterhebungen des 19. Jahrhunderts. Dabei geht es noch einmal (wie schon hier) um die südjütischen Wenkerbögen, die als Teil von Georg Wenkers Datenerhebungen für den Sprachatlas des Deutschen Reichs entstanden sind. Die dänische Dialektologie beurteilt den Quellenwert dieser Daten traditionell skeptisch und betont die methodischen Probleme, die sich bei der Anwendung auf die südjütischen Dialekte aus der Konzeption für deutsche Dialekte, aus der Übersetzung durch die Informanten sowie aus der Transkription durch häufig nicht dänischsprachige linguistische Laien ergeben. In meinem Vortrag diskutiere ich diese Probleme, zeige auf der Grundlage einer Studie von Höder & Winter (i. Vorb.) aber auch, dass die Daten dennoch nicht wertlos sind, sondern zumindest bei einigen grammatischen Merkmalen den damaligen Dialektstand authentisch abbilden. Damit stellen sie auch für künftige Forschung interessantes Untersuchungsmaterial dar.

Masterarbeit: Dänischlernstrategien an der Universität

Nicht alle lernen gleich, auch nicht dieselbe Sprache: Lena Prenzler ist in ihrer Masterarbeit Unterschieden bei den Lernstrategien von Dänischlernern an der Universität auf den Grund gegangen. Dabei hat sie eine Reihe von Variablen untersucht: Verwenden Anfänger andere Strategien als Fortgeschrittene, Männer andere als Frauen, Erfolgreiche andere als Schwächere? Und hängt die Wahl der Strategien mit der Einstellung der Lerner zum Dänischen oder mit der Motivation für den Spracherwerb zusammen?

Dabei ergeben sich zum Teil erwartbare, zum Teil aber auch überraschende Befunde. So greifen Fortgeschrittene Lerner häufiger zu Strategien, die auf die Auseinandersetzung mit authentischen dänischen Texten und natürlichen Kommunikationssituationen hinauslaufen, während Anfänger eher Strategien wählen, die auf das Auswendiglernen sprachlicher Elemente abzielen. Einen ähnlichen Unterschied gibt es zwischen erfolgreicheren und schwächeren Lernern. Zugleich machen die Ergebnisse aber auch deutlich, dass die Zusammenhänge komplex sind, und man einfache Schlüsse (etwa „wer erfolgreich Dänisch lernen will, muss sich möglichst viel natürlichen Kommunikationssituationen aussetzen“) nicht zutreffen müssen – es gibt auch Lernertypen, die sich anders verhalten.

Aufschlussreich ist auch, dass Männer im Durchschnitt häufiger technische Hilfsmittel wie Apps zum Dänischlernen nutzen als Frauen, die dafür häufiger gezielt darauf setzen, Dänischsprachige kennenzulernen. Darüber hinaus neigen Frauen insgesamt mehr zur gezielten Verwendung bestimmter Strategien als Männer.

Als Konsequenz aus ihrer Studie schlägt Lena Prenzler ein Lernstrategietraining vor, das den Lernern die Auswahl unter verschiedenen geeigneten Lernstrategien ermöglicht.

Masterarbeit: Deutsch und Dänisch bei nordschleswigdeutschen Schülern

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Dass in der deutschen Minderheit in Nordschleswig/Südjütland Deutsch und Dänisch (und das regionale Südjütisch) verwendet werden, ist allgemein bekannt und in der Forschung recht gut beschrieben. Nathalie Liefke hat in ihrer Masterarbeit nun ein selbst erstelltes und mit EXMARaLDA annotiertes digitales Korpus von Gesprächen unter Schülern einer Schule in Apenrade/Aabenraa auf zweisprachigen Sprachgebrauch hin untersucht: Was für Formen von Codeswitching, strukturellem Transfer und anderen Sprachkontaktphänomenen kommen hier vor? Gibt es Zusammenhänge zu den jeweiligen Gesprächskontexten und individuellen Sprecherprofilen bzw. Sprachbiographien? Insgesamt bestätigt die Arbeit dabei großenteils die Ergebnisse früherer Forschung, in einigen Punkten weichen die Resultate aber auch von den Erwartungen ab; eine mögliche Ursache ist die Zusammensetzung der untersuchten Sprechergruppe.