Schlagwort-Archive: Norwegisch

Abschlussarbeiten 2017/18

Im vergangenen Jahr und im Januar 2018 sind noch weitere Abschlussarbeiten mit meiner Betreuung entstanden:

  • Skam tittel.pngCharlotte Luchner hat sich in ihrer Bachelorarbeit mit norwegischer Jugendsprache in der in ganz Skandinavien überaus populären und von vielen, auch von jugendlichen Zuschauern als authentisch bewerteten NRK-Fernsehserie Skam auseinandergesetzt: Entspricht die Sprache der Protagonisten dem, was aus der norwegischen und internationalen Forschung über Jugendsprache und jugendsprachliche Kommunikation allgemein bekannt ist? Und wie unterscheiden sich verschiedene Figuren in ihrem Gebrauch von Jugendsprache? Solchen Fragen geht die Arbeit auf der Basis einer detaillierten Auswertung von Filmsequenzen nach.
  • Anna Lappnaus Bachelorarbeit vergleicht strukturelle Merkmale zweier deutsch-dänischer Kontaktvarietäten miteinander, nämlich einerseits des sogenannten Petuh und des Angeliter Niederdeutschen. Die Analyse macht deutlich, wie die beiden Varietäten strukturell voneinander divergieren, obwohl in beiden Fällen eigentlich ganz ähnliche Ausgangsbedingungen vorliegen.
  • Sandra Neufeldt beschäftigt sich in ihrer Masterarbeit mit Registervariation im Schwedischen. Dabei überträgt sie Bibers Ansatz, der auf der Identifizierung verschiedener Dimensionen in der Registervariation zunächst einmal im Englischen basiert, auf das Schwedische und überprüft die daraus abgeleiteten Hypothesen mithilfe der Korpuswerkzeugs  Korp an schwedischen Daten, die ein Spektrum an Texttypen und Registern abdecken. Dabei zeigt sie, dass Bibers Modell im Großen und Ganzen anwendbar ist, dass aber zugleich auch Unterschiede im Gesamtbild der Registervariation zwischen Englisch und Schwedisch bestehen.
  • Anna Hagel untersucht in ihrer Bachelorarbeit mithilfe einer korpuslinguistischen Untersuchung ein klassisches Problem der isländischen Syntax, nämlich die Frage, unter welchen Bedingungen ein expletives Subjekt (það) verwendet wird und wann es auch fehlen kann. Dabei liefert ihre konstruktionsgrammatisch fundierte Analyse Hinweise darauf, dass sowohl grammatische als auch kontextuelle Faktoren eine Rolle spielen, sodass Strukturen mit und ohne Expletivum als verschiedene Konstruktionen beschrieben werden müssen.
  • Andrea Winterberg untersucht in ihrer Masterarbeit, wie L2-Lerner in einem frühen Erwerbsstadium im Schwedischen Modalität ausdrücken. Zugrunde liegt eine empirische Studie, in der entsprechende Ausdrücke in strukturierten Interviews in Sprachkursen für Schwedisch als Zweitsprache an der Universität Göteborg elizitiert wurden. Dabei wird deutlich, dass eine Reihe von Faktoren für den Erwerb und die Wahl von Modalitätsmarkern eine Rolle spielt, darunter die Ähnlichkeit zu Strukturen im Englischen als bereits zuvor erworbener L2. Individuelle Unterschiede lassen sich am ehesten dadurch erklären, wie lange die Lerner bereits schwedischsprachigem Input ausgesetzt sind.
  • Bildergebnis für bokmål nynorskMaike Lemke analysiert in ihrer Masterarbeit verschiedene sprachpolitische Aspekte des Verhältnisses zwischen den beiden norwegischen Standardvarietäten Bokmål (einschließlich seiner konservativen Variante Riksmål) und Nynorsk. Dabei betrachtet sie nicht so sehr den (hinlänglich bekannten) sprachgeschichtlichen und ideologischen Hintergrund, sondern vielmehr ganz konkrete rechtliche Rahmenbedingungen, politische Positionierungen und faktisches Regierungshandeln: Wie stellen sich staatliche, parteipolitische und zivilgesellschaftliche Instanzen zu den norwegischen Standardvarietäten? Und wie reagiert die sprachpolitische Konzeption auf aktuelle Probleme wie etwa die Integration von Migranten?

Gastvortrag Nanna Haug Hilton (Groningen)

Nanna Haug Hilton

Nanna Haug Hilton

Am 22. Mai war Nanna Haug Hilton von der Rijksuniversiteit Groningen zu Gast am ISFAS und hat einen Gastvortrag mit dem Titel Regional dialektnivellering og bokmål: språkforandring i Norge gehalten, der eine Studie zu Stellung und Wandel des Ortsdialekts von Hønefoss (Buskerud) zwischen traditionellen Varianten und regionalen Ausgleichsformen vorstellte. Dabei stand auch die Frage im Fokus, ob der Wandel im Dialekt eher auf Osloer Formen oder aber auf Bokmål als die dominierende Standardvarietät ausgerichtet ist.

Masterarbeit: Genussysteme in norwegischen Kontaktvarietäten

kvendrakta1[1]Skandinavien ist insgesamt durch sprachliche Diversität und eine Vielzahl von Sprachkontaktkonstellationen geprägt. Aber wie wirkt sich das auf die Entwicklung der sprachlichen Strukturen aus? Mit zwei solchen Fällen beschäftigt sich Bente Hartmanns Masterarbeit, die die Auswirkungen des Sprachkontakts auf das norwegische Genussystem in nordnorwegischen Dialekten und dem Osloer Multiethnolekt vergleicht.

37240Dabei untersucht sie die Konsequenzen des Sprachkontakts zwischen Norwegisch, Samisch und Kvenisch einerseits und der Entwicklung in einem sprachlich heterogenen urbanen Milieu andererseits. Dabei zeigen sich in beiden Fällen Reduktionen des Genussystems (von maximal drei über zwei Genera bis zum Extremfall des Verschwindens von Genus als grammatischer Kategorie). Allerdings lassen sich diese Entwicklungen nicht völlig parallel erklären. Zwar gibt es Gemeinsamkeiten der beiden Kontaktkonstellationen, aber je stärker die sprachsozialen Bedingungen im Detail betrachtet werden, desto deutlicher werden die Unterschiede in den zugrunde liegenden Sprachwandelmechanismen.

Masterarbeit: Amerikanorwegisch

SonsofNorwayMPLSDie Nachfahren der Norweger, die während der Massenemigration im 19. und 20. Jahrhundert nach Nordamerika ausgewandert sind, sprechen zum Teil noch heute Norwegisch, vor allem in der älteren Generation – allerdings ein Norwegisch, in dem der Sprachkontakt zum amerikanischen Englischen deutlich erkennbar ist. Claudia Kretschmer untersucht in ihrer Masterarbeit anhand eines amerikanorwegischen Korpus, wie weit man für bestimmte Strukturbereiche (besonders Kon-/Subjunktionen und Diskursmarker) schon von einer teilweisen Verschmelzung beider Sprachen sprechen kann (partial fusion nach einem Modell von Auer [2014]), wenn etwa die englischen Diskursmarker well oder you know voll in das amerikanorwegische System integriert sind. Sie zeigt dabei, dass man über Amerikanorwegisch als Ganzes keine sinnvolle Aussage machen kann, weil der Sprachgebrauch der Informanten zu heterogen ist. Gleichzeitig lassen sich aber durchaus Profile bestimmter Sprechergruppen beschreiben. Dabei finden sich ein Typ, der die Sprachsysteme noch relativ strikt trennt, und ein anderer Typ, bei dem die Verschmelzung – ohne Verlust der norwegischen Sprachkompetenz insgesamt – schon recht weit fortgeschritten ist.

Bachelorarbeit: interskandinavische Kommunikation bei „Skavlan“

Skavlan IMG 2615Die norwegisch-schwedische Talkshow Skavlan ist Sprachinteressierten für ihre konsequente Verwendung aller festlandskandinavischer Sprachen bekannt: Die eingeladenen Gäste sprechen Dänisch, Norwegisch oder Schwedisch, und auch der Moderator wechselt teilweise zwischen den Sprachen. Niklas Reinerts Bachelorarbeit betrachtet die Sendung als quasiexperimentelles Setting für die interskandinavische Kommunikation als Ganzes und untersucht das Sprachverhalten ausgewählter Sendungen anhand des Sprachmodus-Modells nach Grosjean. Dabei zeigt sich, dass auch in diesem Rahmen die in der Forschung immer wieder bestätigten Asymmetrien im Interkommunikationsverhalten von Dänisch-, Norwegisch- und Schwedischsprechern auftreten.

Bachelorarbeit: positive Einstellung zu norwegischen Dialekten

Oslo 17 mai 2010Dass Norwegischsprecher eine im Vergleich zu anderen Sprachen (auch den übrigen nordischen Sprachen) auffällig positive Einstellung zum Dialekt haben, ist eine Alltagserfahrung in Norwegen und auch in soziolinguistischen Studien belegt. Pontus te Gude hat in seiner Bachelorarbeit anhand einer Befragung von Studierenden an Hochschulen in Bergen untersucht, welche Faktoren diese positive Einstellung in der Selbsteinschätzung individueller Sprecher bedingen. Dabei zeigen sich unterschiedliche Faktorengruppen (Anbindung an Familie und Heimatregion, soziale Bewertung durch andere, ästhetische Kriterien, …), die sich teils auch verschieden auf untersuchte soziale Gruppen (Geschlechter, Studienfächer, regionale Herkunft) verteilen.