Sommersemester 2019

Vorlesung

Sprachwandel und sprachliche Variation

Bachelorvorlesung (alte FPO: SW 2.1: neue FPO: BA Skandinavistik SW 2.1, BA Dänisch SW 2.1).

Die Prüfung (alte FPO) erfolgt nach Absprache. Für Teilnehmer nach alter FPO besteht Anwesenheitspflicht.

Das Modul SW 2 (neue FPO) umfasst eine Vorlesung (SW 2.1) und ein Proseminar (SW 2.2). Die Prüfung (neue FPO) bezieht sich sowohl auf die Vorlesung als auch auf das Proseminar.

Voraussetzungen zur Teilnahme: SW 1 und S 1 bzw. S/DK 1 (alte FPO), SW 1 und S 3 bzw. S/DK 3 (neue FPO).

Die Teilnahme am Linguistischen Workshop (Sonnabend, 22. 6. 2019, 10–15) ist verbindlich.

Sprache ist nicht nur ein abstraktes Zeichensystem, sondern auch ein soziales Werkzeug. Deshalb wirken sich auch soziale Strukturen und Mechanismen auf Sprache aus: Wir nehmen Moden und Trends auf, reflektieren im Sprachgebrauch veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen und kommunikative Bedürfnisse, markieren unsere Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe oder distanzieren uns von anderen. In den nordischen Sprachen ebenso wie überall anders spielen solche Faktoren eine entscheidende Rolle dafür, dass die Einzelsprachen keine einheitlichen Systeme darstellen, sondern stark differenziert sind: So sind beispielsweise je nach Region, je nach sozialer Gruppe, je nach Alter, je nach Situation unterschiedliche Formen derselben Sprache gebräuchlich. Gleichzeitig sind die Sprachen ständigem Wandel unterworfen, der sich manchmal schon nach kurzer Zeit, manchmal erst über Jahrhunderte bemerkbar macht. Hier spielen sowohl soziale als auch strukturelle Aspekte eine Rolle. Hinzu kommt der Kontakt zwischen verschiedenen Sprachen, die einander in vielen Konstellationen und auf vielfältige Weise beeinflussen können. Gerade die nordischen Sprachen sind historisch wie gegenwärtig stark durch Sprachkontakte geprägt. Die Vorlesung führt in die Grundlagen von Sprachwandel, innersprachlicher Variation und Sprachkontakt im Kontext der gesellschaftlichen Verankerung von Sprache ein. Dabei werden theoretische Zugänge zur historischen Linguistik, Soziolinguistik und Kontaktlinguistik vermittelt und auf geeignete Fälle in den nordischen Sprachen angewandt.

Seminar

Färöisch: Strukturen und Sprachökologie

Bachelor- und Masterseminar (alte FPO: SW 3, SW 4, SW 5.1/2, SW 6.2/3, SW 7.1/2; neue FPO: BA Skandinavistik SW 3; BA Dänisch SW 3; MA Skandinavistik SW 4, SW 5.2, SW 6, SW 7; MEd Dänisch ME SW 4.1, ME SW 5).

Voraussetzungen zur Teilnahme im Modul SW 3 (neue FPO): SW 2 und S 4 bzw. S/DK 4
Voraussetzungen zur Teilnahme im Modul SW 3 (alte FPO): SW 2 und S 2 bzw. S/DK 2

Die Teilnahme am Linguistischen Workshop (Sonnabend, 22. 6. 2019, 10–15) ist verbindlich.

Mit geschätzten 80.000 Sprechern (davon etwa 50.000 auf den Färöern selbst) ist das Färöische die kleinste der nordischen Nationalsprachen. Die Sprache blickt auf eine lange Geschichte zurück; ihr Ursprung liegt im Altwestnordischen der ersten Siedler, die (vermutlich) ab dem 9. Jahrhundert auf die Färöer kamen. Die isolierte Lage im Nordatlantik, die geographische Zersplitterung in (heute) 17 bewohnte Inseln, aber andererseits auch der kontinuierliche Kontakt mit dem skandinavischen Festland haben das Färöische seitdem geprägt.

Orthographisch erinnert das erst im 19. Jahrhundert standardisierte Färöische zunächst stark an das Isländische. Lautlich, grammatisch und insbesondere lexikalisch steht es aber in vielerlei Hinsicht zwischen dem Isländischen und dem Festlandskandinavischen. Hier macht sich vor allem die Rolle des Dänischen als Lingua franca im Königreich Dänemark bemerkbar, das historisch auch als Verwaltungs-, Schul- und Kirchensprache diente und in der Gegenwart von praktisch allen Färingern als zweite Sprache erworben wird. Dabei ist der auch im Färöischen vorhandene strukturelle Purismus gegenüber vor allem dänischen Einflüssen weniger stark ausgeprägt als im Isländischen oder im Nynorsk. Innersprachliche Variation lässt sich daher häufig auf ein Nebeneinander ererbter inselnordischer Strukturen einerseits und kontaktbedingter Merkmale andererseits zurückführen.

Im Seminar erarbeiten Sie sich – teils im Plenum, teils in Arbeitsgruppen – einen Überblick über das färöische Sprachsystem. Dabei bauen Sie auf Ihren bisherigen Kenntnissen zu den verschiedenen nordischen Sprachen auf, mit denen Sie das Färöische kontrastieren. Zudem analysieren Sie die sprachökologische Situation des Färöischen: In welchen kommunikativen Bereichen wird das Färöische verwendet? Wo konkurriert es mit anderen Sprachen (vor allem Dänisch)? Welche Rolle spielen Standardvarietät und Dialekte? Welchen offiziellen Status hat das Färöische, und wie wirkt er sich praktisch aus? Wie sind die Einstellungen der Sprecher zur Sprachverwendung, zum Sprachwandel und zum Sprachkontakt? Auch in diesen Bereichen vergleichen Sie mit anderen, Ihnen bekannten nordischen Sprachen.